In diesem Ausstellungsraum geht es um das Alltagsleben der Menschen. Menschen, die vor allem in den 1950er Jahren im Notaufnahmelager angekommen sind. Wenn Ihr Euch umschaut, werdet Ihr viele, ganz private Fotos und Gegenstände entdecken.
Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass Ihr durch die Fenster auf der linken Seite direkt in den Hof des Wohnheims blickt. Das kann sich unangenehm anfühlen, weil man so unbemerkt in das Leben von Anderen guckt, ohne selbst gesehen zu werden. Im Gegensatz zu den Objekten sind die privaten Momente unten im Hof nicht „alt“ oder historisch, sondern ganz nah, im Hier und Jetzt.
An kaum einer anderen Stelle spürt man die verschiedenen Funktionen des Ortes so deutlich wie hier: Es ist ein temporäres Zuhause für Menschen, die aktuell eine Flucht hinter sich haben; ein Erinnerungsort für Menschen, die seit den 50er Jahren aus der DDR kamen und auch ein Erinnerungsort für Menschen aus anderen Ländern der Sowjetunion, die auf Grund ihrer deutschen Vorfahren kamen. Wie ihr gerade erlebt, ist es auch ein Lernort zur Geschichte.
Seht ihr die vielen schwarz-weiß Fotos an der Wand? Sie sind von links nach rechts chronologisch aufgehängt. Die Bilder zeigen persönliche Momente vom Ankommen und Alltag hier in Marienfelde: beim Essen, beim Anziehen, draußen im Hof beim Spazieren oder Spielen. Viele dieser Fotos sind keine Schnappschüsse, sondern wurden professionell gemacht, um ein bestimmtes Bild vom Leben der geflüchteten Menschen in Marienfelde zu zeichnen.
Damals sollten Fotos aus dem Lager Menschen und Alltag so inszenieren, wie es politisch gewünscht war. In Marienfelde sollte vor allem auch gezeigt werden, dass die Menschen im sogenannten Westen gut versorgt waren. Normalerweise war das Fotografieren hier nämlich verboten.
Schaut Euch die vielen Regeln der Lagerordnung links neben den schwarz-weiß Fotos an. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, dann klickt das Bild unten an.
Heute ist das Bedürfnis, Geflüchtete in guter Versorgung zu wissen auch vorhanden. Es gibt aber kaum offizielle Bilder von den Orten der Ankunft heute. Die Bilder lassen sich schon allein wegen der schlechten Bedingungen in vielen Erstaufnahmestätten nicht wie gewünscht zeigen.
Bilder von Flucht und Ankommen zeigen vor allem seit den 1980er Jahren verstärkt Momente, die vor dem Ankommen passieren. Besonders oft sehen wir Darstellungen von Menschenmassen in Not, vorwiegend auf Booten im Mittelmeer oder in den durch Stacheldraht getrennten Wäldern von Ost- und Zentraleuropa. Flucht und Ankommen werden als etwas außerhalb der eigenen Verantwortung gezeigt.
Wenn Ihr Euch fertig umgeschaut habt, treffen wir Silin am großen Luftbild, das das Notaufnahmelager im Ganzen zeigt.