Bestimmt habt Ihr nun einige Türen geöffnet und das historische Notaufnahmeverfahren kennengelernt. Bis die Menschen alle Stationen abgearbeitet hatten, verging viel Zeit.
Schaut auf den Automaten, der an der Säule hängt. Wir wären nicht in Deutschland, wenn nicht auch das Warten genau organisiert wäre. Jede Person musste eine Wartemarke ziehen. Erst wenn die Nummer auf der Marke aufgerufen wurde, durfte sie zur entsprechenden Station gehen.
Das Prinzip Wartemarke gibt es auch heute noch auf den Ämtern. Geflüchtete warten heute auf Termine beim Arzt, auf Termine beim Jobcenter, sie warten auf eine Arbeitserlaubnis, auf einen Sprachkurs oder auf eine neue Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihren Familien ein neues Leben beginnen könnten. Sie suchen sich das Warten nicht aus, sondern haben oft keine andere Wahl. Sie können Dinge nicht beschleunigen, sind Vielem einfach ausgeliefert. Eine zutiefst verunsichernde Erfahrung. Diesen Moment beschreibt Sandy Albahri. Ihr Stimme konntet ihr auch am Anfang der Tour hören. Sie kam aus Syrien hier in Marienfelde an.
Sandy Albahri: „Hier, hier genau, saß ich mehrmals und da habe ich viel geweint. Es war total mit dem Gefühl „Unsicherheit“ verbunden. Ich fang jetzt von null an. Ich hatte schon einen Abschluss, ich habe gearbeitet, und jetzt, was muss ich tun? Wer bin ich hier? Was mach ich hier? Und da hab ich das Gefühl, dass wirklich jetzt…ich bin nichts. Ich mach nichts.“
Zusätzlich sind Geflüchtete auch Vorurteilen und Rassismus ausgesetzt. Viele wissen nicht, dass geflüchtete Menschen eben nicht freiwillig warten, dass Vieles, was für andere „normal“ und „selbstverständlich“ ist, verboten ist – zum Beispiel arbeiten zu dürfen.
Wusstet Ihr zum Beispiel, dass Geflüchtete aktuell maximal 460 Euro im Monat Sozialleistungen bekommen? Das liegt unter dem, was man in Deutschland als Existenzminimum bezeichnet. Oder dass Menschen im Asylverfahren für 3 Jahre kein Recht auf eine gesetzliche Krankenversicherung haben? Das sind Fakten. Sie stehen Vielem entgegen, was in einigen Medien oder auf Social Media behauptet wird.
Zum Beispiel zeigen rund drei Viertel der Zeitungsfotos und Fernsehbilder von Geflüchteten erwachsene Männer. Dies entspricht nicht dem realen Alter und Geschlecht von Asylbewerbenden zwischen 2016 und 2020 in Deutschland.
Hinter Euch hängen ein paar Postkarten von der Decke. Sie verraten Euch weitere Fakten zum Thema Asyl und Asylverfahren heute. Schaut sie Euch gerne an.
Wenn ihr soweit seid, verlasst den Raum in Richtung Treppenhaus und geht nach oben. Geht dann links herum in den nächsten Ausstellungsraum „Leben im Lager“.
Falls Ihr einen Aufzug benötigt, geht wieder zurück zum Foyer, da wo die Tour begonnen hat. Fahrt in den 1. Stock und lauft links herum den langen Gang entlang bis zum Ende, bis Ihr den Ausstellungsraum erreicht habt.