Frame of a mobile phone QR-Code

Bag Mohajer

03:22

Steht Ihr wieder vorne im Raum?

In der Mitte sind Vitrinen mit Gepäckstücken, die etwas über die Fluchtgeschichten aus der DDR erzählen. Die Besitzer hatten sehr unterschiedliche Umstände ihrer Flucht. Ob durch einen Tunnel, per S-Bahn, über Drittstaaten oder zu Fuß, mit gefälschten Pässen oder sogar mit Ausreisegenehmigung. Je nachdem änderte sich auch, was man mitnehmen konnte und was nicht.

Auch heute sind die Umstände der Flucht vielfältig.

Je länger die Flucht andauert, umso mehr rückt die Frage „Was nehme ich mit?“ in den Hintergrund. „Wie komme ich weiter?“, darum geht es eigentlich. Davon erzählt die Geschichte, die sich hinter der Vitrine mit der Tasche aus Gummi befindet. Eine Gruppe von Freund*innen aus Berlin reiste 2009 nach Lesbos, um dort die Menschen zu helfen. Eine von ihnen studierte Modedesign und sie Hatte eine Idee.

Zusammen mit den Jugendlichen Geflüchteten haben sie angefangen aus Resten von Schlauchbooten Taschen zu nähen. Sie brachten die Taschen über private Netzwerke nach Deutschland und verkauften sie an verschiedenen Orten, größtenteils in Berlin.

Der Name für das Taschen-Projekt ist Bag Mohajer – „Mohajer“ kommt aus dem Persischen und bedeutet „Geflüchtete“. Der Verkauf der Bag Mohajer hat es den Jugendlichen ermöglicht, Lesbos zu verlassen. Das Projekt und die Taschen gibt es noch und die Leute von damals sind heute noch befreundet. Es ist eine richtige Community entstanden.

Die Menschen stecken oft jahrelang an den Außengrenzen von Europa, zum Beispiel in Griechenland, fest. Sie dürfen nicht zur Schule gehen, sich nicht frei bewegen und wenn überhaupt, nur in prekären Jobs mit geringer Vergütung und mangelnder Sicherheit arbeiten. Sie leben in Lagern auf engstem Raum. Sie werden an ihrer Weiterreise gehindert, verhaftet, geschlagen und gedemütigt. Es dauert Jahre, bis sie weiterkommen.

Davon erzählt auch Hossein, über Pagani, das Lager auf Lesbos in dem er gewesen ist. Er ist in Afghanistan geboren und im Iran aufgewachsen. Mit 17 Jahren flüchtete er und landete in Griechenland. Er war auch Teil des Bag Mohajer Projekts:

Hossein: „Einmal haben sie mich aus dem Hafen gezogen. Seit zwei Jahren bin ich hier, zwischendurch geh ich immer wieder nach Patras um es zu probieren. Und dreimal wurde ich in Italien von der italienischen Polizei erwischt. Sie haben mich ins Schiff gesteckt und zurück nach Griechenland geschickt. Einmal haben sie mich vor dem Hafen rausgezogen. Ansonsten geh ich arbeiten, spare das Geld und versuche es wieder in Patras. Wenn das Geld alle ist, gehe ich wieder arbeiten. Das ist alles".

Hossein lebt heute in der Nähe von Darmstadt mit seiner Frau und seinen Kindern. Im Dezember 2024 konnte er noch einmal interviewt werden. Wenn ihr mehr von Hossein wissen möchtet, dann klickt das Video unten an.

Verlasst nun dem Raum. Das war ganz schön viel. Zwischen diesem und dem nächsten Raum findet ihr eine Nische zum Erholen. Geht dorthin zum Pause machen.

0:00