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Biografien

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Ich bin es wieder, Atefa. Kommt mit mir zum Anfang des Raumes, zur zweiten Säule gegenüber von den Fernrohren. Die Biografie-Säulen zeigen individuelle Geschichten von Personen, die aus der DDR geflohen sind. Ich möchte Euch hier die Fluchtgeschichte von Wilfried Seiring zeigen. Ihr habt ihn schon kennengelernt. Herr Seiring war eigentlich vom Sozialismus überzeugt, aber gegen Gewalt. Als er gegen die Militärgewalt in Ungarn protestierte, verlor er seine Stelle an der Universität und hatte keine berufliche Perspektive mehr. Er wurde nach seinen Protesten nicht mehr als loyaler Bürger gesehen.

Wir haben einige Dinge gemeinsam. Ich hatte auch eine akademische Karriere in Afghanistan. Meine Entscheidung das Land zu verlassen, vor allem für meine Kinder, meine Töchter, war auch eine Entscheidung gegen alles - alles, was ich mir beruflich schwer erkämpft und aufgebaut habe. In Afghanistan hatte ich eine sehr gute Position. Ich war wichtig und stolz. Ich habe an der Universität unterrichtet. Ich habe die Lehre und die Wissenschaft geliebt.

Aber das Taliban-Regime will nicht, dass sich Frauen frei entfalten. Schon vor der erneuten Machtübernahme im August 2021 haben die Taliban eine menschenrechtsverachtende Herrschaft aufgebaut. Alle Menschen in Afghanistan sind von der Herrschaft der Taliban betroffen, Frauen besonders. Und so wurde ich immer mehr bei meiner Arbeit als Frau belästigt und diskriminiert. Ich war bereit, täglich mit Übergriffen und Einschüchterungen umzugehen, aber … wollte ich auch meine Töchter einem solchen Umfeld aussetzen?

Mein Entschluss zu gehen bedeutete, dass ich meine eigene Karriere aufgeben musste. Ich wusste, dass ich meine Träume in Deutschland erstmal nicht weiterverfolgen konnte. Meine Hoffnung war, dass meine Töchter frei und sicher aufwachsen können. Für mich war das Grund genug zu gehen.

Schaut einmal genauer in die Vitrine von Herrn Seiring. Seht Ihr auch meine Sachen? Herr Seiring war so nett und hat ein wenig Platz für mich und meine Geschichte gemacht.

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